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Das Übergangsjahr 2023

Eine Wundertüte mit bösen Folgen?


Januar 2023
René K. Voser

Das Jahr 2023 dürfte sich im Nachgang als das Übergangsjahr mit einer lange nicht mehr dagewesenen wirtschaftlichen, finanziellen und geopolitischen Situation herauskristallisieren. Wir sind überzeugt, dass es unabdingbar ist, in diesem schwierigen Jahr einen kühlen Kopf zu bewahren, um Chancen von Risiken unterscheiden zu können. Doch was liegt vor uns?

Wir gehen davon aus, dass die Inflation in den USA, der EU und Schweiz rasant zurückgeht, aber mit Ausnahme der Schweiz auf zu hohem Niveau verharren wird. Während der schnelle Rückgang (auf vielleicht 5–6 %) zunächst für überschäumenden Enthusiasmus vor allem an den Finanzmärkten sorgen dürfte, wird sich aufgrund nicht einsetzender Zinssenkungen rasch Ernüchterung breitmachen. Historisch betrachtet, haben es die westlichen Zentralbanken zumeist verpasst, eine hohe Inflation zu bekämpfen, ohne dabei die Wirtschaft abzuwürgen. Dies dürfte auch diesmal der Fall sein, weshalb wir von einer Rezession in der westlichen Welt ausgehen.

Für den Sonderfall Schweiz erwarten wir einen Zinsanstieg um ca. 100 bp, bei einer Inflation von ca. 2.2 %, und einem Rückgang des Wirtschaftswachstums auf ca. 1 %. Grund hierfür bilden u.a. der starke Schweizer Franken sowie die resiliente Wirtschaft (allen voran die konjunkturunabhängige Pharmaindustrie).

Implikationen für Kapitalmärkte und Immobilien

In diesem konjunkturellen Umfeld beinhalten die westlichen Aktienmärkte (z. B. der S&P 500) ein Rückschlagpotential von gut 20%. Für den Schweizer Immobilienmarkt schätzen wir eine Bewertungskorrektur von 20% bei Mehrfamilienhäusern aufgrund der steigenden Zinsen als angemessen ein. Diese dürfte jedoch in der Grössenordnung von 7–10 % durch höhere Mieteinnahmen kompensiert werden, welche aufgrund Erhöhungen des Referenzzinssatzes und des Anstiegs des Landesindex für Konsumentenpreise gerechtfertigt sind. Allerdings werden sich solche Erhöhungen der Mietzinse nur an guten Lagen auch effektiv durchsetzen lassen. Deshalb gilt am Schweizer Immobilienmarkt wieder: Lage, Lage, Lage!

Grössere Zinssenkungen erwarten wir in einem solchen Umfeld nicht vor Ende 2024. Bis dahin empfehlen wir unseren Investoren den Leverage bei sämtlichen Investments so tief zu halten, dass auch obige Bewertungskorrekturen zu keinen Problemen mit den finanzierenden Instituten führen können. Im Weiteren erwarten wir attraktive Kaufgelegenheiten für Aktien im 2. Halbjahr und für Schweizer Immobilien in 2024. Wir empfehlen Finanzierungen auf Geldmarkt-Basis, um 2025 wieder von tieferen Zinsen profitieren zu können.

Alle diese Überlegungen könnten durch eine weitere Eskalation in der Ukraine (z. B. durch den Einsatz von biologischen Kampfstoffen oder Nuklearwaffen) oder in Taiwan komplett obsolet werden. Wir spekulieren jedoch, dass sich vielleicht in 2024 oder 2025 zumindest die Situation in der Ukraine entspannen dürfte. Auslöser könnte eine einsetzende Kriegsverdrossenheit in Europa sein. Wenn wir eine Wette tätigen müssten, würden wir auf einen faulen, politischen Kompromiss setzen, indem die Ukraine die Kontrolle über die Krim und grosse Teile der Ostukraine aufgibt, zugunsten von Russland oder einer neutralen Zone, respektive beidem.

Unabhängig davon erwarten wir eine Verstärkung des Trends outgesourcte Arbeiten aus autokratischen Staaten in pro westliche Länder zurückzutransferieren. Da die Fertigungskosten in diesen Ländern eher höher liegen, wird es lange dauern, bis sich die hartnäckige Sockelinflation in der EU und den USA wieder auf 2% zurückbildet.

Fazit

Stellen wir uns also auf ein Jahr mit vielen Wendungen ein, dass zwar Überraschungen, aber auch einmalige Investitionschancen bieten wird. Kaufgelegenheiten können aber nur von dem gepackt werden, der sein Pulver trocken hält.

Capital Protect wird seine Klienten wie gewohnt auch in dieser schwierigen Zeit sicher leiten!

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